Die Turnhalle

1910

Kaum einer weiß heute noch, daß der Bonländer Sportverein in der heutigen Plattenhardter Straße eine eigene Turnhalle stehen hatte.

Diese Halle ist ein Stück Vereinsgeschichte: Nachdem die Sportler zuvor nur in Gärten oder leihweise zur Verfügung gestellt Unterkünften geturnt hatten, war nun aufgrund der steigen den Begeisterung für das Turnen und den Turnverein eine eigene Turnhalle unumgänglich.

Für 6500 Reichsmark erwarb der damalige Turnverein ein Gelände und baute darauf die Halle. Die Eigenleistungen und Spenden der zirka 50 Mitglieder reichten nicht aus, um die Summe zu bezahlen. Der Verein mußte einen Kredit aufnehmen.

Damals zahlten Gemeinden und Länder noch keine Zuschüsse für Sportstätten.

1925

Die Halle wurde durch einen Anbau vergrößert. Die Brauerei Müller aus Waldenbuch unterstützte den Verein durch die Vergabe einer Hypothek. Neue Größe der Halle: 10 Meter lang, 8 Meter breit und 8,9 Meter hoch.

1937

Der im Dritten Reich zwangsweise in »Turngemeinde« umbenannte Verein konnte die anfallenden Reparaturkosten nicht bezahlen. Er mußte die Halle unter dem Druck der Gemeinde für 1000 Reichsmark an sie verkaufen.

Schon zuvor hatte die Kommune das Gebäude mitgenutzt. So gelangte sie günstig zu einer Versammlungshalle. Der Verein zahlte mit dem Erlös seine Schulden ab.

1938

Die Gemeinde Bonlanden vergrößerte die Halle in Richtung Straße.

Mehr Platz, aber weniger Leute, denn viele waren im Krieg.

Wie wir noch lesen werden, wurde die Turnhalle für andere Zwecke in dieser Zeit gebraucht.

Im Dritten Reich

Während der Zeit des Nationalsozialismus hatten viele Turn- und Sportvereine Probleme, ihren Sportbetrieb so aufrechtzuerhalten, wie dies in der Weimarer Republik der Fall gewesen war. Die Hitlerjugend entzog den Vereinen den Nachwuchs. Dann kam der Zweite Weltkrieg. Auch in Bonlanden ging die Zahl der aktiven Turner und Leichtathleten immer mehr zurück.

Nur der Fußball konnte sich einigermaßen erhalten, jedoch nicht an die Leistungen der 20er Jahre anknüpfen. So wurde die Turnhalle überwiegend vom Schulturnen belegt.

Dabei ging es vielen Lehrern oft weniger um den Sport als um militärische Übungen, wie Strammstehen und Abtreten.

Während des Krieges veranstaltete man Wunschkonzerte in der Halle, um die Bevölkerung bei guter Laune zu halten. Besonders die Luftwaffensoldaten mit ihrer Musikkapelle trugen viel dazu bei, daß diese Konzerte bei der Bevölkerung beliebt waren.

Kriegsende

Nach Ende des Krieges marschierten in Bonlanden die Franzosen ein. Unter ihnen gab es einige Marokkaner, die beim Anblick von Barren und Bock sehr verwundert waren. Denn nicht jede Nation kannte diese Turngeräte.

Etwas später kamen die ersten Flüchtlinge in den Ort. Die Turnhalle fungierte als Verteilungsstelle. Die Einwohner aus Bonlanden, die noch freien Wohnraum hatten, nahmen dort die neu angekommenen Familien in Empfang.

1946

Langsam entwickelte sich die Turnhalle zum Mittelpunkt des sozialen Lebens in Bonlanden. Den Anfang machte das Wanderkino. Es zeigte in den Anfangsjahren amerikanische Filme in englischer Sprache.

Und, nach dem Krieg wollten die Menschen wieder tanzen. Die erste öffentliche Tanzveranstaltung fand im März 1946 in der Turnhalle statt. Wie alle öffentlichen Veranstaltungen mußte auch sie von der damaligen Militärregierung genehmigt werden.

1949

Die Halle geht ins Eigentum des neugegründeten SV Bonlanden über. Der Verein hatte eine Nutzungsentschädigung der Jahre 1933-49 von 23.000 Mark geltend gemacht.So egalisierte sich der Rückkaufpreis, den die Gemeinde verlangte.

Sie hatte den Platz um 349 Quadratmeter vergrößert und 1937/38 einen Anbau erstellt. Die Turnhalle wurde nun gut genutzt. Vereinsversammlungen konnten hier wieder abgehalten werden, an den Wochenenden war die Halle bewirtschaftet und ab den 50er Jahren wurde wieder kräftig geturnt.

Die Mädchen und Damen kamen erstmals in der Vereinsgeschichte zum Zug. Das Kinderturnen wurde wieder neu eingeführt (früher Zöglingsturnen). Auch wurde die Halle für Veranstaltungen der Gemeinde und anderer ortsansässiger Vereine zur Verfügung gestellt.

1963

Die Turnhalle wurde erneut an die Gemeinde verkauft. Der Vereinssport zog in die 1967 fertiggestellte Uhlberghalle um.

Das Schicksal der alten Halle, in der sich ein großer Teil des geselligen und sportlichen Lebens während der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts abgespielt hatte, war besiegelt.

Sie wurde zum Abriß freigegeben.

1971

Abriß der Turnhalle. Damit ging ein gutes Stück Sportverein und viele Erinnerungen verloren.