Der Sportplatz

1924

Ein Jahr nach der Inflation will sich der 1. FC Pfeil einen Sportplatz zulegen. Kauf ohne Geld ist auch schon damals Mode. Man pumpt sich das Geld, aber ohne Sicherheiten ist dies nicht so einfach möglich.

Die Banken sind mit ihren Krediten weniger großzügig als die Brauereien, die die Möglichkeiten einer mehrjährigen Bierabnahme in Verbindung mit einem Kredit sehen. So machen sich einige Mitglieder des Bonländer Turnvereins auf nach Waidenbuch zur Brauerei Karl Müller.

Die Sportler sind sich sicher, daß Sie, wenn sie ein paar »Halbe« getrunken haben, sicherlich mit dem Brauereibesitzer schnell einig werden würden. Der Plan geht auf: Das Geld wird ihnen geliehen und zur allgemeinen Freude im Verein kann nun ein Platz in den Rauhen, im heutigen Industriegebiet, gekauft werden.

Man steckt nur noch vier Pfosten in die Ecken und stellt zwei Tore auf, und schon kann gekickt werden. Natürlich gibt es zur Einweihung auch ein großes Fest.

1928

Neun Jahre nach Kauf des Platzes kommt die Ernüchterung: Die neuen Machthaber drohen den Platz zu enteignen, wenn sich die beiden Vereine Turnverein und 1. FC Pfeil, nicht in der neugegründeten Turngemeinde vereinigen. Eine Kommission beider Vereine kann sich schließlich unter diesem Druck einigen. Der Rot-Sport-Verein hat sich zuvor selbst aufgelöst, so kann deren Baracke vom Haberschlai-Sportplatz in die Rauhen transportiert werden. Man kann sich nun ungestört umziehen, zum Waschen jedoch muß man zu einem nahegelegenen Bach gehen.

In den 30er Jahren wurden eine Weitsprunggrube und ein Kugelstoßplatz am Sportplatz angelegt. So konnte man hier jetzt neben 60- und 100-m-Lauf, Speerwerfen, Schleuderball auch diese Sportarten betreiben. Tagsüber wurde der Platz auch von den Schulen benutzt.

Trotz diesen Erneuerungen konnte man an das sportliche Engagement im Bereich des Fußballs und der Leichtathletik der 20er Jahre nicht mehr anknüpfen, da viele junge Leute zum Arbeitsdienst oder Wehrdienst verpflichtet wurden und so dem Sport fehlten.

1939

Besonders beliebt waren vor dem Krieg die Tschammer-Pokalspiele, die nach dem damaligen Reichsminister »von Tschammer und Osten« benannt waren. Leider mußte man wegen der Maul- und Klauenseuche im Winter 1939 aus dem Pokal ausscheiden und durfte für eine gewisse Zeit keine Fußballspiele mehr austragen.

Während dem Krieg

Während des Krieges kam der Vereinssport fast völlig zum Erliegen, so nutzten nur Kinder und Jugendliche in ihrer freien Zeit den Sportplatz zum Kicken.

Nach dem Krieg

Nach Ende des Krieges kam wieder Leben auf den Platz. Ab 1946 gab es wieder Freundschafts- und Pokalspiele, nachdem aus einer Tanne zwei neue Tore gemacht worden waren. Der Sportplatz war nicht nur für den Sportbetrieb offen, sondern er wurde auch für landwirtschaftliche Zwecke genutzt. Begehrt war in den Nachkriegsjahren besonders das Gras des Platzes, um die vielen Hasenm und Ziegen zu füttern, die später in den Kochtöpfen landeten.

Eine Vollversammlung des Sportvereins beschloß 1947 sogar, wer Gras bekommt. Für 10 Reichsmark bekamen schließlich zwei Mitglieder das Vorrecht. Kurz vor der Währungsreform zahlte man der Brauerei in Waidenbuch die restliche Schuld von 2800 Reichsmark.

Nachdem der Platz das völlige Eigentum des Vereins war, kam auch langsam der Sportbetrieb wieder zum Erwachen. Der Platz wurde für Wettkämpfe und Feste genutzt.

1949

Ein Brand zerstört den Umkleideraum in der Sportplatzhütte. Das letzte Geld in der Vereinskasse, 500 DM, wird verwendet, um sie wieder herzurichten.

1950

Ein Stück Wiese wird dazugekauft.

1953

Die ersten Meisterschaften der Fußballer nach dem Kriege werden ausgetragen.

1954/55

Es wird nochmals ein Platz dazugekauft und gleichzeitig der Sportplatz saniert, d.h., der Höhenunterschied von 2,60 m zwischen den Toren wird auf 1,20 m reduziert. Dabei werden gewaltige Erdmassen bewegt. Selbst amerikanische Soldaten helfen mit ihren großen Fahrzeugen beim Abtransport. Die Fußballspiele werden in dieser Saison nach Plattenhardt verlegt. Dieses Unternehmen ist wieder mit großen Unkosten verbunden. 10.000 DM werden benötigt. Erneut wirde das Geld von Brauereien zur Verfügung gestellt, diese wissen, daß bei Pokalspielen und Festen reichlich Bier fließt.

1955

Eine außerordentliche Mitgliederversammlung wird einberufen, um die Mitglieder zu motivieren, den Sportplatz bis zum 60jährigen Vereinsjubiläum fertigzuhaben. Durch einen Kraftakt in der Versammlung wird beschlossen, in vier Etappen den Platz fertigzustellen. Dabei müssen Funktionäre, 1. und 2. Fußballmanschaft, Turner und Leichtahtleten je eine Etappe übernehmen. Diese Abmachung klappte, so daß zum 60jährigen Jubiläum Fußballspiele und Wettkämpfe aus dem Turnen und der Leichtathletik ausgetragen werden konnten.

1959

In den Jahren 1956-59 beschäftigte man sich im Ausschuß mit der Frage der Verlegung des Sportplatzes. 1959 war es dann soweit. Die Gemeinde brauchte ein Industriegebiet und im See entstand ein Kultur- und Sportgelände.

1960

Mit einem großen Fest wird der neue Sportplatz im See eingeweiht. Die zwei Tore und die kleine Hütte, lange das Wahrzeichen am Ortseingang von Bonlanden, mußten jedoch weichen, um für die Firma Herma Platz zu machen.